Hormonmessung

Hormonstörungen nehmen seit Jahren zu und das gilt nicht nur für die Frauen. Immer mehr Männer kämpfen mit sinkendem Testosteronspiegel, immer mehr Frauen haben Zyklusprobleme oder spüren die Wechseljahre deutlich stärker. Dazu kommt eine wachsende Zahl an Menschen mit Schilddrüsenunterfunktionen oder anderen Störungen im Hormonhaushalt. Aber warum sind Hormone überhaupt so wichtig?

Hormone sind biochemische Botenstoffe, die in kleinsten Mengen riesige Effekte entfalten. Sie bestimmen, wie viel Energie wir produzieren, wie belastbar wir sind und wie schnell wir regenerieren. Sie steuern die Libido und die Fruchtbarkeit, beeinflussen die Stimmung über den Neurotransmitterhaushalt und haben direkten Einfluss auf die Knochengesundheit, die Verdauung und vieles mehr. Kurz gesagt: Hormone geben die Befehle, was im Körper überhaupt produziert und aktiviert wird. Sie sind die übergeordneten Taktgeber für sämtliche Prozesse.

Ursachen von Hormonstörungen

Dass Hormonstörungen heute so häufig sind, ist kein Zufall. Der moderne Lebensstil bringt leider gleich mehrere Faktoren mit sich, die das sensible Hormonsystem aus dem Gleichgewicht bringen können.

Ein häufiger Punkt ist chronischer Stress. Eine dauerhafte Aktivierung der Stressachse (Hypothalamus-Hypophysen-Nebennieren-Achse) führt zu Cortisolverschiebungen und zieht Schilddrüse und Sexualhormone oft mit runter. Wer dauerhaft stark gestresst ist, merkt das irgendwann an Energiemangel, Schlafproblemen, Verdauungsbeschwerden, Zyklusstörungen oder Libidoverlust. In solchen Situationen reguliert der Körper z.b. die Energieproduktion irgendwann nach unten, um sich zu schützen. Unsere Physiologie ist nur an akute kürzere Stressphasen adaptiert und nicht an chronischen Stress. Die Sexualhormone werden herunterreguliert, weil es keinen Sinn machen würde in dieser gefährlichen Situation Kinder zu bekommen. Unser System ist noch im Steinzeitmodus und im Kampf mit einem Tiger ist Kinder zeugen, Verdauen oder Schlafen natürlich relativ sinnlos. Das erklärt auch, warum genau diese Systeme oft unter zu viel Stress leiden.

Auch die Ernährung spielt eine entscheidende Rolle. Zu viel Zucker und hochverarbeitete Lebensmittel belasten die Insulinsensitivität, fördern Entzündungen und können auf lange Sicht zu Übergewicht führen – ein Risikofaktor für hormonelle Dysbalancen. Fettgewebe produziert selbst Hormone und begünstigt eine Östrogendominanz, die besonders bei Frauen Zyklus- und Wechseljahresbeschwerden verschärfen kann. Zudem sind viele hochverabeitete Lebensmittel ziemlich nährstoffarm, was uns zum nächsten Punkt bringt.

Ein weiterer zentraler Aspekt ist die Nährstoffversorgung. Hormone entstehen nicht aus dem Nichts, sondern benötigen Bausteine wie Cholesterin, Proteine und Mikronährstoffe. Fehlen Eisen, Zink, Selen, Vitamin D oder B-Vitamine, dann fehlt den Drüsen schlicht die Grundlage für eine normale Hormonproduktion. Zudem müssen Hormone auch wieder abgebaut bzw. entgiftet werden, wozu es ebenfalls eine Reihe an Nährstoffen braucht. Vor allem der schlechte Abbau von Östrogen kann zu massiven Problemen führen. Läuft das nicht reibungslos, enstehen toxische Östrogenableger, die eine stresshormonähnliche Wirkung entfalten und zu entzündlichen Prozessen führen. Dies erhöht das Risiko für Krankheiten, darunter auch Brustkrebs, der in den letzten Jahren ebenfalls zugenommen hat. Außerdem kann das Wohlbefinden massiv unter einem unsauberen Abbau von Östrogenen leiden: Wassereinlagerungen, Stimmungsschwankungen, Bauchschmerzen, Migräne und Schlafprobleme sind relativ typisch.

Schematische Darstellung der Steroid-Hormonsynthese: Umwandlung von Cholesterin über Pregnenolon, Progesteron und DHEA zu Cortisol, Aldosteron, Testosteron, Estradiol, Östron und Östrio
Quelle: Hormonkurs Health Journey

Auch das Thema Schlafdefizit kann das Hormonchaos begünstigen. Wer regelmäßig zu wenig oder unruhig schläft, stört die circadiane Rhythmik – und damit auch den hormonellen Taktgeber. Besonders Wachstumshormone, Cortisol und Melatonin hängen eng mit dem Schlaf-Wach-Rhythmus zusammen. Aber auch der Neurotransmitterhaushalt, der sich nach jeder Nacht “resetet” kann durcheinandergebracht werden, was sich negativ auf das Wohlbefinden auswirkt. Zudem kann ein Schlafdefizit zu einer erhöhten Cortisolproduktion führen, deren Folge beim Abschnitt zum chronischen Stress bereits erläutert wurden.

Nicht zu unterschätzen ist die Belastung durch Umweltgifte. Zahlreiche Substanzen in unserer Umgebung wirken als endokrine Disruptoren, das heißt, sie greifen in die Hormonregulation ein. Dazu gehören Bisphenol A (BPA) aus Kunststoffen, Phthalate und Weichmacher aus Verpackungen, Mikroplastik, Duftstoffe in Kosmetika oder Weichmacher in Textilien. Sie docken an Hormonrezeptoren an, verändern die Signalübertragung oder beeinflussen die Hormonproduktion direkt. Das Problem ist, dass auch diese Substanzen vom Körper abgebaut werden müssen, und das über die gleichen Enzyme, über die der körpereigene Hormonabbau läuft. Hier kann es dann zu massiven Fehlregulationen in der Hormonbalance kommen, was sich natürlich negativ auf viele Körpersysteme auswirkt.

All diese Faktoren – Stress, Ernährung, Schlaf, Nährstoffmängel, Übergewicht und Umweltgifte – überlagern sich oft. Es ist ein multifaktorielles Geschehen, das in den letzten Jahren Fahrt aufgenommen hat, weswegen hormonelle Probleme immer häufiger werden. Daher ist es unfassbar wichtig, diese Probleme vernünftig zu identifizieren, indem man Hormone richtig misst. Das ist tatsächlich gar nicht so einfach, da es viele Dinge zu beachten gibt.

Wie misst man Hormone richtig?

Die wichtigste Grundlage für jede Hormonmessung ist die Standardisierung. Wenn man Werte vergleichen will – sei es mit Referenzbereichen oder im Verlauf – dann müssen die Rahmenbedingungen stimmen. Hormone schwanken im Tagesverlauf stark, reagieren auf Stress, Schlafqualität und sportlicher Aktivität. Deswegen gilt eben so standardisiert wie möglich die Messung durchzuführen, um Einflussvariablen zu minimieren.

Es gibt bestimmt noch mehr, aber das sind dann die Feinheiten. Die oberen Punkte dienen als absolute Basis, um vernünftige aussagekräftige Werte zu bekommen.

Die wichtigsten Hormone im Überblick

Diese Hormone sind nicht isoliert zu sehen, sondern wirken in komplexen Regelkreisen. Schilddrüse, Nebennieren und Sexualhormone sind eng miteinander verknüpft – eine Schwäche in einem System zieht oft die anderen mit, weswegen es am sinnvollsten ist sich ein Gesamtbild mit allen Werten zu machen.

Methoden der Hormonmessung

Die gängigste und aussagekräftigste Methode ist die Blutentnahme. Nahezu alle wissenschaftlichen Studien basieren auf Blutwerten – das ist der Goldstandard, an dem man sich orientieren sollte.

Der Speicheltest hat nur in einem sehr spezifischen Bereich seine Berechtigung: beim Cortisol-Tagesprofil. Hier kann der Speichel tatsächlich hilfreich sein, weil der Blutwert stark schwanken kann und wir beim Cortisol wissen wollen die wie Ausschüttung über den Tag verteilt ist. Für alle anderen Hormone ist Speichelmessung allerdings problematisch, da die Vergleichbarkeit mit Referenzen und Studien fehlt. Wer jahrelange Erfahrung mit Speicheltests hat, kann damit arbeiten. Das bedeutet diese Tests sind nicht per se schlecht, sofern man die Ergebnisse wirklich interpretieren kann und eine vernünftige Handlungsempfehlung daraus ableiten kann.

Urinmessungen können sinnvoll sein, v.a. für den Östrogenmetabolismus. Ihr merkt, dass dieser schon öfter erwähnt wurde, einfach weil er so relevant ist. Im Urin lässt sich festtellen in welche Richtung der Körper Östrogen entgiftet: Läuft alles sauber oder entstehen toxische Metabolite, die unserem Wohlbefinden und unserer Gesundheit schaden? Diese Frage kann man mit so einem Test sehr gut beantworten!

Typische Fehler bei der Hormonmessung

Gerade diese Fehler führen oft dazu, dass Patienten jahrelang mit unauffälligen Standardwerten abgespeist werden, obwohl eine klare hormonelle Dysregulation vorliegt.

Fazit

Eine korrekte Hormonmessung ist mehr als ein kurzer Blick auf ein Laborblatt. Sie erfordert so weit wie möglich standardisierte Bedingungen, die richtige Auswahl der Marker und die Einbettung in das Gesamtbild des Patienten. Nur so lassen sich Ursachen für Müdigkeit, Libidoverlust, Zyklusprobleme, Gewichtszunahme oder chronische Erschöpfung erkennen.